Arnold Dreyblatt
Art + Performance : Articles+Interviews Dt

 : : Art + Performance
   : Major Works
   : Installation
   : On the Wall
   : Public Art
   : Memory Projects
   : Who's Who Opera
   : Reading Performances
   : Other Performances
   : Film+Video Works
   : Articles+Interviews Engl
   : Articles+Interviews Dt
   : Publications
   : View Videos
 : : Music
 : : Web-Projects
 : : Teaching
 : : Biography
 : : Calendar
 : : Links
 : : Contact
Arnold Dreyblatt- The Wunderblock (2000)
Dr.phil. Gerhard Schneider, Vortrag, Berlin, Juli 2007
[ more ]
Arnold Dreyblatt: Im Innern des Gedächtnisses
Dr. Eugen Blume, Leiter Hamburger Bahnhof, 2006
[ more ]
ACHTUNG! ARCHIV.
Wolfgang Ernst, 2005
[ more ]
Am Ende des Astes.
Andreas Schäfer, Berliner Zeitung, 21.11.1998
[ more ]
Verblasste und verschüttete Textur.
Tillmann, J. A., in: Der Neue Pester Lloyd, 23.11.1994
[ more ]
"Die Hypertext-Bibel" (Interview)
Berlin am 22. September 1994, in: THEATERSCHRIFT Nr. 8, 1994
[ more ]
Zeitklang, Archivraum.
Thomas Fechner-Smarsly, in: “Neue Bildende Kunst”, 5/93
[ more ]
Arnold Dreyblatt- The Wunderblock (2000)
Dr.phil. Gerhard Schneider, Vortrag, Berlin, Juli 2007
(Auszug)

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn Sie sich Arnold Dreyblatts Installation The Wunderblock nähern, so sehen Sie zunächst einen einfachen Schreibtisch, über dem eine Lampe angebracht ist, mit einem Stuhl davor. Auf der Schreibtischplatte und mit ihr fest verbunden befindet sich mitten im Lichtkegel der Lampe ein nach oben rechteckiges Display in einem auffälligen gelben Rahmen, der oben in der Mitte halbkreisförmig ausgeschnitten ist. Der fest mit dem Boden verbundene Stuhl wie auch das ebenfalls nicht verschiebbare Display sind beide gegenüber der Schreibtischmittelachse vom Betrachter aus gesehen nach rechts verschoben und nach rechts gedreht, der Stuhl noch mehr als das Display. Der Stuhl und die äußeren Teile der Schreibtischplatte liegen im Schatten, in diesem dunklen Grund tritt das gelb gerahmte Display um so deutlicher hervor und zieht die Aufmerksamkeit auf sich...


pdf-Download   Download Full Text
Arnold Dreyblatt: Im Innern des Gedächtnisses
Dr. Eugen Blume, Leiter Hamburger Bahnhof, 2006
(Auszug)

Arnold Dreyblatt, der eigentlich von der Musik her kommt, als Komponist den abstrakten Raum der Klänge „berechnet“ hat, ist in seiner kompositorischen Arbeit den mathematischen Grundlagen digitaler Speichermöglichkeiten strukturell nahe. Als bildender Künstler widmet er sich einer möglichen Verbildlichung von Gedächtnisprozessen. Dabei geht er von in unterschiedlichen, signifikanten Formen gespeicherten Datenmengen aus. In den unterschiedlichsten Weltarchiven werden zu allen Daseinsweisen des menschlichen Lebens Daten festgehalten. Diese schier grenzenlosen Datenmengen haben aber erstaunlicherweise ihr jeweils eigenes Bild; es gibt keine „neutrale“ Form. Das Bewahren von Daten erfordert vielmehr bewusst oder meistens unbewusst die Entscheidung für eine bestimmte Form. Nicht nur im Sinne ihrer organisatorischen Struktur, sondern auch in ästhetischer Hinsicht. Datenmengen haben in ihrer Materialität immer auch eine „ästhetische“ Gestalt, in der sich inhaltliche Momente manifestieren. Dreyblatt nutzt diese vorhandene Bildgestalt von Daten, um in einem bewusst gestalteten künstlerisch-künstlichen Erinnerungsraum deren innere Bewegungsrichtung - wenn man so will ihre „politische“ Dimension - sichtbar werden zu lassen...


pdf-Download   Download Full Text
ACHTUNG! ARCHIV.
Wolfgang Ernst, 2005
(Auszug)

Arnold Dreyblatt denkt demgegenüber im strengen Sinne die Frequenzen des Archivs, das Sampling seiner Daten; die ihn selbst prägende Ästhetik der Minimal Music scheint hier durch. Nun ist Dreyblatt nicht schlicht einer der vielen Künstler, der sich mit dem Archiv beschäftigt, sondern ein Medienkünstler. Nicht das Archiv, sondern die Medialität des Archivs ist Objekt und zugleich Subjekt seiner Installationen. Arnold Dreyblatt trainiert das Archiv - als ästhetische Eingewöhnung in einen nicht-narrativen Umgang mit Gedächtnis und Erinnerung. Das Speichermedium Archiv in seiner buchstäblichen Verfasstheit, seine Sonifikation durch menschliche Stimmen und die Computerberechnung des Gedächtnisses sind seine Themen...


pdf-Download   Download Full Text
Am Ende des Astes.
Andreas Schäfer, Berliner Zeitung, 21.11.1998
(Auszug)

Es gibt Momente, deren Bedeutung einem erst bewußt wird, wenn sie längst vergangen sind. So ging es Arnold Dreyblatt, als er 1985 in einem Antiquariat in Istanbul ein Buch mit dem Titel "Who is who in Central and East Europe" ("Wer ist wer in Mittel- und Osteuropa") fand. In dem Buch waren über 10 000 sogenannter wichtiger Persönlichkeiten verzeichnet, von denen man heute nichts mehr weiß, denn die Ausgabe war von 1933. Violinisten aus Prag, Industrielle aus Wien, Moskauer Revolutionäre, Ausdruckstänzerinnen aus Tallin und polnische Bibliothekarinnen, die acht Sprachen beherrschten...


pdf-Download   Download Full Text
Verblasste und verschüttete Textur.
Tillmann, J. A., in: Der Neue Pester Lloyd, 23.11.1994
(Auszug)

Als ich der Berliner Uraufführung im 1991 beiwohnte, war das Wort 'Hypermedia' noch nicht so oft gebraucht (und abgebraucht) als heute. Und irgendwie ist das anderthalbstündige Stück tatsächlich opernhaft und ziemlich hypermediatisch. Dennoch auch ausgesprochen hör/sehbar, ja ein überaus bemerkenswertes Experiment zur Erneuerung einer musealisierten Kunstgattung. Außerdem berührt es die verblassten und jahrzehntealten Ablagerungen verschütteten Schichten der (lokal kolorierten) Textur unserer Kultur direkt.
Einer solch heiklen Operation scheint eine entsprechende Ferne gut zu tun. Autor Arnold Dreyblatt kommt nämlich aus New York, früher waren Minimalmusik, Musikaktion und Performances Hauptgebiete des Komponisten und Medienkünstlers...


pdf-Download   Download Full Text
"Die Hypertext-Bibel" (Interview)
Berlin am 22. September 1994, in: THEATERSCHRIFT Nr. 8, 1994
(Auszug)

A.D.: Mich haben schon immer Geschichten interessiert, die sich mit der 'Heimatlosigkeit' einzelner Menschen beschäftigt haben. Menschen, die Eltern aus zwei verschiedenen Ländern haben; Menschen, die es durch Migration oder Krieg irgendwohin verschIägt. Kurz, mich interessiert der durch historische Ereignisse bedingte Riß in der Biographie eines Menschen. Was mich an diesem Buch, oder, wie Sie sagen, an dieser Bibel interessiert, ist die Zusammenstellung einzelner aus dem Zusammenhang gerissener Fragmente. Dieses
Buch ist ein komplexes Geflecht individueller Mythen, eine geopolitische Geschichte Mittel- und Osteuropas, die sich wie ein Puzzle aus Tausenden von individuellen Geschichten zusammensetzt...


pdf-Download   Download Full Text
Zeitklang, Archivraum.
Thomas Fechner-Smarsly, in: “Neue Bildende Kunst”, 5/93
(Auszug)

Als Fixpunkt und Suchbild zugleich dient im ersten Raum ein gewisser T., ein ungarische Jude, 1879 geboren und 1943 in Shanghai gestorben. Sein Leben verlief im durchaus zweifelhaften Sinne abenteuerlich, er wechselte die Länder wie die Hemden, war Eigentümer rumänischer Ölfelder und Mitglied der weißen Internationale, christlicher Missionar in Kanada und buddhistischer Mönch in China, hielt sich selbst für eine messianische Erscheinung und stand im Sold von allerlei Organisationen und Geheimdiensten. Aus den vergilbten Dokumenten letzterer setzt sich zum größten Teil "Das Kleine Archiv" zusammen. Nachforschungen über die verschiedenen Tätigkeiten T's sowie über seine Decknamen ergebe ein komplexes Puzzelspiel, hinter welchem allerdings keine greifbare Person hervortritt. Identitätsverlust und Anonymität bilden den einen Strang dieses Komplexes, der Gegensatz von Individuum und Kollektiv den anderen. Das Gedächtnis verliert sich unterwegs, wird aufgespürt und geht erneut verloren. Die Biographie kehrt nicht als Bild zurück, als Sammlung vergilbter Photographien, sondern also endlich laufendes Textband...


pdf-Download   Download Full Text